Die wenigsten würden beim Abschluss eines neuen Handy-Vertrags oder beim Kauf eines PKWs nur die Werbeplakate und -Flyer lesen, den Kaufvertrag jedoch ungelesen unterschreiben.
Bei der Installation einer Software wird jedoch genau dies nahezu grundsätzlich gemacht.
Der Lizenzvertrag wird ungelesen akzeptiert – mit teilweise fatalen Folgen.
Die hohe Verbreitung von z.B. ICQ lässt sich ausschließlich durch die Unwissenheit bzw. Bequemlichkeit, sich mit etwas anderem auseinanderzusetzen, erklären.
Es ist schwer vorzustellen, dass man sich gut dabei fühlt, wenn man weiß, dass sämtliche über ICQ erfolgten Gespräche aufgezeichnet und weiterverwendet werden können.
Adressen sind lukrative Einnahmequellen, um nur ein Beispiel zu nennen.
Die Rechte gesendeter Bilder werden abgegeben. Dies kann zu rechtlichen Konsequenzen führen, wenn man diese Bilder selbst nochmals veröffentlicht.
Das kann nicht sein? Doch. Jeder der ICQ nutzt stimmt diesem vermutlich ungelesenen Vertrag zu:
“Sie stimmen zu, dass sie durch das Senden jeglichen Materials / jeglicher Information an irgendeinen der ICQ-Dienste Ihr Copyright und jegliches andere proprietäre Recht auf das versendete Material aufgeben. Desweiteren stimmen Sie zu, dass ICQ Inc. berechtigt ist, es nach eigenem Ermessen in jeglicher für angemessen erachteten Art und Weise zu nutzen, inklusive (aber nicht nur) die Veröffentlichung und Verbreitung des Materials.”
“Verschiedene Daten können ohne Beschränkung für kommerzielle Zwecke verwendet werden, und zwar für Werbung, zielgerichtete Werbung, Marketing, Co-Registrierung bei anderen Diensten, Werbe- oder jeglichen anderen Tätigkeiten (“kommerzielle Tätigkeiten”), abhängig von den hierin festgelegten Bestimmungen.”
Ähnliches sieht auch die Vereinbarung mit Microsoft bei Nutzung des MSN vor:
“Persönliche Informationen, die Sie .NET Messenger Service zur Verfügung stellen, werden möglicherweise in den USA oder anderen Ländern, in denen sich Niederlassungen von Microsoft, deren Partnern, Tochtergesellschaften oder Vertretern befinden, gespeichert und verarbeitet. Mit der Verwendung von .NET Messenger Service erklären Sie sich einverstanden, dass Daten außerhalb des Landes, in dem Sie ansässig sind, übertragen werden können.”
Man kann nun natürlich sagen, dass sich dies nicht mit dem deutschen Recht vereinen lässt und er somit unzulässig ist, da dieser Vertrag vom Lauschangriff bis hin zur Betriebsspionage und Verletzung der Privatsphäre legitimieren würde, was in Deutschland strafbar ist.
Doch weder ICQ Inc. noch Microsoft ist eine deutsche Firma, noch befindet sich der Firmensitz bzw. Server in Deutschland. Auch wenn die Daten in Deutschland nicht weiterverarbeitet werden, so ist auch eine Verarbeitung oder Speicherung in anderen Ländern äußerst bedenklich.
Die beliebte VoIP-Software Skype geht hier sogar noch einen Schritt weiter, denn die Kommunikation erfolgt auch hier über ein properitäres Protokoll, welches verschlüsselt wird.
Auch wenn dies normalerweise zu begrüßen wäre, ist dies im Falle eines properitären Protokolls als Nachteil zu werten, denn der Anwender hat keine Kontrolle über die Verschlüsselung und weiß nicht, welche Daten genau übertragen werden.
Dadurch ist auch die Entwicklung alternativer Client-Programme für das Skype-Netzwerk von vornherein ausgeschlossen. Man ist an den offiziellen Skype-Client und die Lizenzvereinbarungen gebunden.
Es ist allerdings ein Irrtum zu glauben, dass man keine andere Wahl hat, denn es gibt eine OpenSource-Alternative, die sich nicht hinter den Funktionen der bekannten Messenger verstecken muss und überdies auch mehr Sicherheit und Freiheit garantiert: Jabber.



